Eine kleine Geschichte übers Alleinsein, ohne sich einsam zu fühlen.

„Doesn’t mean I’m lonely when I’m alone.“

{Kelly Clarkson – Stronger}

Nur mit meiner großen Jeansjacke und der alten Kamera ausgerüstet mache ich mich auf den Weg ins Unbekannte. Ohne Ziel laufe ich durch Straßen, die ich schon etliche Male langgegangen bin und doch versuche ich, sie heute in einem anderen Licht zu sehen.

Manchmal bin ich gern allein unterwegs, denn ab und zu benötigen Momente ein aufmerksames Ohr, um wahrgenommen zu werden. Sie benötigen Stille, um in ihrer ganzen Schönheit zu erstrahlen. Dann verleiht das Schweigen ihnen einen unvergleichlichen Klang, erschafft eine Atmosphäre, die nur aus der Musik der Straße und den Geräuschen von fremden Sprachen und glücklichem Lachen geschaffen ist. All das nehme ich in mich auf und komponiere es, zu einem Stück aus einzigartiger Stille und Einsamkeit.

Manchmal bin ich gern allein. Erkunde neue Wege und Straßen, fühle mich wie Columbus und Marco Polo und finde einzigartge Plätze, die dann nur mir gehören. Ich trage sie in meinem Herzen und halte sie versteckt, aus Angst sie würden an Bedeutung verlieren, wenn sie nicht mehr nur mir gehören. Aber irgendwann zeige ich sie dir trotzdem, schenke dir die Orte, lasse dich teilhaben an ihren Bedeutungen und bin dabei so stolz, als hätte ich sie selbst erschaffen und nicht nur gefunden.

Ich versuche, all das einzufangen in Fotos und Erinnerungen, doch es gelingt mir nie vollständig. Deshalb füge ich all die neuen Orte in meinem Herzen zusammen und erschaffe eine Karte aus Oasen, geheimen Inseln und unentdeckten Schatzkammern.

Und wenn ich zurückkomme von meinen Reisen, verträumt und erfüllt von Euphorie, fragst du mich, ob ich nicht einsam bin, wenn ich so allein durch die Straßen wandere.

Aber manchmal bin ich gern allein. Dort draußen gibt es so viele Gesichter, die ich betrachten möchte, Menschen, denen ich zulächlen möchte, einfach nur, weil sie sympathisch aussehen oder grad ein Lächeln vertragen können. Dort draußen sind so viele Geschichten, die ich beobachten und erfinden möchte, von denen ich Teil werden will. Ich nehme sie alle in mich auf und puzzle daraus meine eigene Geschichte zusammen.

Manchmal bin ich gern allein und fühle mich wie eine Fremde in der eigenen Stadt.