Weil Schuhe manchmal viel mehr sind als stille Wegbegleiter, geht es in diesem Text darum, seinen Platz in der Welt zu finden. Denn irgendwo ist für jeden Menschen eine Lücke frei, in die er oder sie gehört.  

 

Deine Haare glänzen im matten Licht der Abendsonne,
verloren träumst du ihr nach und wünschst dir,
der Tag wäre noch nicht vorbei,
wünscht dir, es wäre irgendwie alles anders.

„Du fällst kaum auf im Grau der Stadt“
die Zeile schwebt in deinem Kopf herum, bis der Song dir deinen Atem raubt.
Und tatsächlich bist du irgendwie unscheinbar,
irgendwie immer allein
und irgendwie trotzdem mitten drin.

Nur deine roten Schuhe erinnern dich an das, was sein könnte.
Sie berichten leise von den Geschichten, die du gern erzählen würdest,
den Orten, von denen du niemals zurück kommen wolltest;
und den Nächten, die du am liebsten durchtanzt hättest.

Aber du hast es nie.
Die roten Schuhe sind alles, was dir noch bleibt, von deiner Freiheit,
doch die Mauern hast du dir selbst gebaut,
den Atem geraubt und jeden Zentimeter geklaut.
Ganz egal wie stark du versuchst, nicht aufzufallen,
ich kann es sehen,
kann es sehen wie die Sterne bei Nacht,
erst zögernd, aber dann immer klarer,
Als wären manche Worte im Dunkeln irgendwie wahrer:

Du bist ein Träumer.

Doch du weißt, dass jeder Traum dich Scherben kostest,
wie roter Kupfer an dir rostest,
weil einfach nichts wahr zu werden scheint,
Alles, was in dir keimt, wird lauthals verneint,
vereint mit Tränen und Wein einfach weggeschluckt.

Du lächelst höflich,
lachst wenn jemand Witze macht
und sagst, du wärst nicht gern allein.
Und kein Schwein weiß, was in deinem Kopf vorgeht!
Die Leute, die sich deine Freunde nennen,
sind nicht viel mehr als Fremde;
stille, weiße Wände;
nichts sagend und alles fragend, für nichts stehend und nichts sehend,
überflutet von vermeintlichem Wissen sind sie blind,
für die Sachen,
in denen das eigentliche Leben beginnt!

Du
Du kannst es sehen,
bleibst manchmal stehen,
wenn du glaubst, dass niemand dich sieht,
wenn du glaubst, dass dir nichts geschieht.
Du siehst in den Vögeln am Horizont eine einsame Front,
in den roten Rosen auf der offenen See,
geschmolzenen Schnee,
der mit deinen Hoffnungen wegfließt,
deine Zukunft wegschließt
und ohne dich wegfliegt.

Und – für einen Moment
sind dir die anderen egal,
deine Augen sind nicht mehr fahl,
dein Lächeln ist echt
und die Tränen auf deiner Wange schmecken nach Salz.

Du bist bereit, an das Gute zu glauben,
den Menschen den Verstand zu rauben
Und für dich selbst einzustehen.
Du willst die Welt verbessern,
willst ab heute nur noch das Richtige tun,
nicht mehr ruhen,
sondern aufhören nichtstuend zu zusehen,
wie alle einfach weitergehen,
während Menschen Hilfe brauchen.

Du willst gut sein.

Doch es gibt kein Gut!
Und hinter dem ganzen Gelaber vom Sein
verbirgt sich auch nur blasser Schein.
Selbst der feurigste Satz wird matt und glatt,
wenn das Leben mal wieder dazwischen gefunkt hat.
Du hast die ganze Scheiße so satt,
weil einfach jede Medaille zwei Seiten fasst.

Und deswegen bist du Mainstream.

Bist still, wenn alles in dir schreit.
Lachst, wenn alles in dir weint.
Stehst, wenn du müde am Boden liegst.
Gehst, wenn sich nichts in dir bewegt.

Du versuchst nicht aufzufallen
bis die Worte verstandlos von den Wänden hallen.
Bist lieber ein Niemand, als nicht gut genug zu sein.
Bist lieber Mitschuld als ganz allein.
Bist lieber nur die Fremde, als von allen verkannt zu scheinen.

Nur deine roten Schuhe trägst du noch immer,
weil du es nicht übers Herz bringst sie wegzuschmeißen,
weil sie dich manchmal erinnern,
was es heißt, frei zu sein.