Hallöchen, zusammen!

Habt ihr euch schon mal vorgenommen, euch dem kreativen Schreiben zu widmen und habt dieses Vorhaben dann doch immer wieder und aus den vielseitigsten Gründen vor euch her geschoben? Ich schaffe das ständig. Deswegen möchte ich mit dieser neuen Reihe ein wenig Ordnung in meinen und vielleicht auch euren Schreibprozess bringen.

Doch kreatives Schreiben beginnt nicht erst, wenn man den Stift in die Hand nimmt. Deswegen soll dieser erste Beitrag heute der Vorbereitung gewidmet sein. Wie finde ich die richtige Atmosphäre zum Schreiben?

Meine bisher bewährteste Strategie gegen Prokrastination [das wunderschöne Fachwort für die Beschäftigung mit ausweichenden Tätigkeiten] ist eine geeignet Zeiteinteilung. Zum Beispiel hilft es mir, einen genauen Zeitpunkt fürs Schreiben schon im Vorhinein festzulegen. Dann kann ich Ablenkung durch andere Menschen oder Tätigkeiten leichter aus dem Weg gehen. Wenn ich mir nämlich vornehme, irgendwann diese Woche noch etwas Kreatives zu produzieren, dann wird da meistens nichts vor Sonntagabend draus. Aber wenn ich mir um eine ganz bestimmte Uhrzeit Platz einräume, um zu schreiben, fällt es schwerer, sich davor zu drücken. Außerdem ist man dann seelisch und moralisch darauf eingestellt. Schreiben als festen Termin wahrzunehmen ist also auch nützlich, um produktiver zu sein und die bestehende Herausforderung ernster zu nehmen.

Das klingt jetzt erst einmal so, als würde ich meinen Schreibprozess nur als Hürde oder gar als Pflicht wahrnehmen. Dem ist natürlich nicht so. Wenn mir Schreiben keinen Spaß machen würde, könnte ich es auch einfach lassen. Doch ich habe für mich selbst herausgefunden, dass ich niemand bin, den spontan die Muse küsst. Vielmehr ist es ein tiefgründiges Einarbeiten, das sich nur durch eine gewisse Regelmäßigkeit entfalten kann.  Wenn ich im Schreiben drin stecke, weil ich gerade gestern erst einer anderen Idee Flügel verliehen habe, dann lassen sich auch heute leichter Worte greifen, die das beschreiben, was ich wirklich ausdrücken will. Ich will dem Schreiben gar nicht das Leichtfüßige und Befreiende nehmen, denn darin besteht für mich ein großer Bestandteil der Kunst, doch muss man es manchmal ein wenig stupsen.

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Der richtige Zeitpunkt

Ich schreibe gerne in der Bahn, weil das eh Zeit ist, mit der man sonst nichts weiter anfangen könnte und weil man gedankenversunken aus dem Fenster starren kann. Aber auch abends kurz vor dem Schlafen gehen, fällt es mir leichter in einen Schreibfluss zu finden. Vielleicht kennt ihr das ja auch, dass man spät abends alles loslassen kann und voll und ganz in seinen Gedanken versinkt, die dann einfach aufs Papier fließen.

Findet für euch heraus, ob es euch eher liegt früh oder abends zu schreiben. Gleich nach dem Aufstehen ist der Kopf noch frei und voller Tatendrang für den kommenden Tag? Auch eine entspannte Mittagspause kann sich anbieten, zum Schriftsteller zu werden, wenn man sich einfach nur träge zurück lehnt und sich ganz von allein in kuriosen Gedanken wiederfindet.

Jeder ist da anders in seinem Tagesempfinden, aber wenn man sucht, dann findet jeder diese kleine ideale Lücke, in der es sich lohnt zum Stift zu greifen. Oder doch lieber zum Smartphone? Laptop?

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Das richtige Medium zum Schreiben

Nicht nur die Mobilitätsfrage ist wichtig, wenn man die Entscheidung trifft, welches Medium man zum Schreiben verwenden will. Vieler eher ist wie immer das Gefühl entscheidend. Ich schreibe beispielweise vorrangig mit Tastatur, wenn ich schon in etwa weiß, was ich sagen will. Die Geschwindigkeit des Tippens erlaubt es mir, meinem Gedankenfluss freien Lauf zu lassen. Auch kann man hier natürlich viel leichter überarbeiten und trotzdem bleibt das Schriftbild immer klar und halbwegs ordentlich. Auch lassen sich am Computer leichter mehrere Ansätze zusammenfügen. Doch die ersten Gedanken werden von mir so oft wie möglich in meinem Notizbuch festgehalten. Die Worte bekommen in meinen Augen einfach mehr Ausdruck, wenn sie per Hand geschrieben sind. Außerdem liebe ich das Chaos, das zwangsläufig in so einem Notizbuch herrscht und als Einziges wahrer Zeuge der Kreativität ist. Außerdem fühlt es sich einfach gut an, nach einiger Zeit wieder durch die voll gekrakelten Seiten zu blättern.

Wie sieht das so bei euch aus? Chaos oder Ordnung? Und seid ihr mehr die analogen oder die digitalen Schreiber?

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Der richtige Ort

Wäre immer noch nicht geklärt, wo es sich eigentlich anbietet zu schreiben. Natürlich ist alles denkbar, aber bevorzugen würde ich doch immer die Orte, an denen ich ungestört bin. Zu einem meiner Lieblingsplätze zum Schreiben zählt im Sommer der Monbijoupark, aber auch jeder andere Park bietet sich bei schönem Wetter hervorragend an. Natürlich sind dort auch immer andere sonnensuchende Menschen unterwegs, aber trotzdem fühle ich mich nicht durch sie eingeschränkt. Wie ich schon erwähnte schreibe ich auch gerne in der Bahn. Gute Kopfhörer bieten dann den geeigneten Schutz gegen Ablenkung. Wonach ich immer noch suche als Ort zum Schreiben ist eine Bibliothek. Was gebe es schöneres als zwischen den großen Dichtern und Denkern selbst auf Poesiestreifzug zu gehen? Allein der Geruch der alten Bücher lässt ein Schritstellerherz doch höher schlagen. Aber unsere öffentlichen Bibliotheken vermitteln irgendwie nicht dieses Gefühl der Geborgenheit und auch die Unibibliotheken scheinen mir unpassend. Überall so angestrengt aussehende Leute.

Also muss ich wohl noch weiter suchen nach meiner Traumbibliothek. Verratet ihr mir euren Lieblingsschreibplatz? Und wie viele von euch gibt es, die (wie ich selbst oftmals auch) aus Bequemlichkeit einfach nur im geliebten Bett schreiben?

Soweit erstmal von mir. Gebt mir doch ein wenig Feedback, ob ihr euch auch aufs Schreiben dermaßen vorbereitet. Ich werde mir auf jeden Fall ab jetzt häufiger gezielt Schreibzeit freihalten und meiner Schreibeinstellung mehr Aufmerksamkeit schenken.

Gutes Gelingen!