Endlich gibt es heute einen neuen Beitrag zur Reihe Back-to-the-Basics. Hier möchte ich ein paar Einblicke in meinen Schreibprozess und dir dadurch vielleicht den ein oder anderen Tipp mit auf den Weg geben. Diesmal geht’s speziell um das Schreiben von Kurzgeschichten.

Nach einer ziemlich langen Schreibblockade kam ich in den letzten Wochen endlich wieder dazu, mein Notizbuch mit lauter kleinen Kritzeleien zu füllen. Wenn du den Anfang dieser Reihe gelesen hast, hast du bereits einen Eindruck davon bekommen, dass mein Schreibprozess in etwa immer so abläuft: Ich begebe mich zunächst auf die Suche nach Inspiration, sammle ganz viele Ideen, Zeilen und Ansätze. Dann lese ich mir alles nach einiger Zeit wieder durch und suche mir die Dinge raus, an denen ich weiterarbeiten möchte. Sie werden solange überarbeitet oder liegen gelassen, bis ich zufrieden bin. An sich funktioniert dieser Ansatz ganz gut. Ich gebe Texten gerne die Zeit von alleine zu reifen, sich zu entwickeln. Dabei arbeite ich vor allem assoziativ, impulsiv und oft auch emotional bis sich ein Text tatsächlich so anfühlt, als würde er etwas Relevantes in sich tragen.

Short Stories

Nun gibt es aber im Schreiben auch Vieles, dass ein wenig mehr Organisation bedarf, da der Text sich nicht sofort erschließen, komplexere Strukturen aufweisen soll oder auch einfach nur länger ist als gewöhnlich. Nehmen wir das Beispiel einer Kurzgeschichte, welche sicher noch die schlankeste dieser Textsorten ist.

Dabei wird ganz komprimiert etwas dargestellt, dass über die Grenzen der geschriebenen Worte hinaus geht und trotzdem jedem zugänglich sein soll. Eine Kurzgeschichte springt direkt ins Geschehen und lässt jeden einleitenden Teil weg. Mehr als alles andere ist sie zielgerichtet aufgebaut und du als Autor solltest deswegen von Anfang an den Höhepunkt oder die Schlusspointe schon im Kopf haben. Nun ist das mit dem ‚Alles im Kopf haben‘ aber gar nicht so simpel. Deswegen bietet es sich an, eine kleine Skizze, sei es mit Worten oder tatsächlich mit Bildern, anzulegen.

Deine innere Organisation

In den meisten Fällen geht meine Geschichte von einem bestimmten Impuls aus. Das kann zum Beispiel eine Figur sein, die durch deinen Kopf geistert. Vielleicht hast du schon mal jemanden entworfen, dem du jetzt Leben einhauchen möchtest. Oder dir geht ein bestimmter Konflikt, ein zwischenmenschliches Problem, eine Frage oder natürlich auch eine Erkenntnis, eine Aussage einfach nicht mehr aus dem Kopf. Auch diese eignet sich als Grundbaustein deiner Konzeptskizze. Ich schreibe  vor allem aus Neugierde heraus oder als Experiment, weil mich interessiert, was passiert, wenn man einen bestimmten Sachverhalt zuende spinnt. Beispielsweise reizt es mich herauszufinden, was passieren könnte, wenn man zwei gegensätzliche Charaktere zusammen in einen Raum steckt. Oder in welchen Situationen es sich Menschen erlauben, Schwäche zu zeigen.

Konzeptskizze 2
Hier habe ich versucht eine Konzeptskizze meiner Vorgehensweise anzulegen. Natürlich ist es sinnvoll hier deine eigenen Form und Reihenfolge zu finden.

Im nächsten Schritt solltest du überlegen, in welcher sinnvollen Situation dein Thema dargestellt werden kann. Was passiert eigentlich? Wo befinden wir uns? Hier bietet es sich an, zwischen Alltagssituationen und außergewöhnlichen Situationen abzuwägen. Es entstehen selbstverständlich deutlich unterschiedliche Möglichkeiten der Schwerpunktsetzung, ob meine Geschichte am Abendbrotstisch einer Familie, in einem Club unter Feierlustigen, an einem menschenleeren Strand, am Lagerfeuer oder bei einem Autounfall spielt. Gleichzeitig werden bei diesen Überlegungen sicher schon Umrisse in deinem Kopf entstehen, wie viele und welche Personen teilhaben werden. Wenn sich dieses Gefühl für ein Grundgerüst deiner Geschichte allmählich manifestiert hat, ist es für mich immer an der Zeit die Platzhalter der Figuren mit echten Charakteren zu füllen. Jede Geschichte lebt von ihren Figuren; das kennst du sicher auch vom Lesen. Natürlich denke ich mir für Personen in Kurzgeschichten keine vollständigen Biografien aus, aber es ist trotzdem sinnvoll, sich zu fragen, was sie auszeichnet. Ein besonderes Augenmerk kannst du noch darauf legen, ob man sich als Leser mit der Person identifizieren können soll oder du sie absichtlich undurchschaubar oder sogar unmenschlich gestaltest. Wenn du die Person(en) kreiert hast, die im Zentrum der Geschichte stehen, können trotzdem noch Randfiguren wichtig werden. Beispielsweise kann man diese gut dazu einsetzen, das Verhalten anderer zu spiegeln, in unterstützende Relationen zu setzen oder auch um einen Gegenpunkt zu bilden. Situationen werden natürlicher, wenn sie nicht von einer einzigen Person ausgehen, sondern aus einer Interaktion heraus entstehen. Dabei wirken für den Leser die Randfiguren im Optimalfall genauso real wie deine Hauptfigur, dienen jedoch nur einem ganz bestimmten Zweck.

Damit sollten alle wichtigen Entscheidungen jetzt getroffen sein. Du weißt in welcher Situation deine Geschichte spielen soll und von wem sie bestimmt wird. Sicher hattest du die ganze Zeit dein Ausgangsproblem im Kopf, trotzdem ist es sinnvoll zum Schluss deiner Konzeptskizze noch einmal auf dieses impulsgebende Thema zurück zu kommen. Beantworte deine Frage, bestätige dein Aussage oder löse deinen Konflikt. Dieser Schlüsselpunkt deiner Geschichte wird ihr eine Daseinsberechtigung geben und schlussendlich den Ausschlag dafür geben, ob der Leser die Geschichte lesen wird oder nicht.

Die Gedanken zu Papier bringen

Nachdem dein Konzept steht, geht es ans Niederschreiben deiner Kurzgeschichte. Auch hier gibt es unzählige Herangehensweisen und wie immer kein Richtig oder Falsch. An deiner Stelle würde ich mir auch ruhig den Freiraum nehmen ein bisschen auszuprobieren, welcher Stil am besten zu den Figuren oder dem Thema passt. Meist entwickelt man aber relativ schnell ein Gefühl für die Harmonie zwischen den Worten und dem Inhalt. Achten solltest du aber darauf, nicht abzuschweifen und nur das zu schreiben, was deine Geschichte auch wirklich unterstützt.

Ich wünsche wie immer gutes Gelingen beim Schreiben!

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